Schmetterlingsprojekt in der Unterstufe

Im Juni und Juli 2015 hatten wir „Haustiere“ in der Unterstufe. Nein, keine Katze, kein Hund und auch kein Kaninchen. Zwölf kleine Distelfalterraupen zogen bei uns ein. In den nächsten Wochen wollten wir beobachten, wie sie sich zu Schmetterlingen entwickeln.

Staunend betrachteten die Unterstufenschüler die Neuankömmlinge. Sie waren klein und krochen munter in ihrem Aufzuchtgefäß herum. Von nun an gingen die Schüler jeden Morgen nach dem Ankommen zuerst gespannt zu ihren Raupen und schauten, ob sie noch da sind.

Ausgerüstet mit Lupen bestaunten sie, wie schnell die Raupen wuchsen. Schon nach einer Woche hatten sie sich verdoppelt. „Wir müssen ganz vorsichtig und leise sein“, vermeldete Joseline. Und in der Tat, alle gaben sich viel Mühe mit den kleinen Tieren behutsam umzugehen. Schon nach zwei Wochen begannen die Raupen sich in Form eines J an den Deckel ihres Aufzuchtgefäßes zu hängen. Sie bereiteten sich auf den Verpuppungsvorgang vor.

Nachdem unsere Raupen sich einen Kokon gebaut hatten, zogen sie in die Schmetterlingsvoliere um. „Wo sind unsere Raupen?“, fragte Hassan, wenn er morgens in die Klasse kam. Eine Zeit mit Warten und Geduld hatte begonnen. Doch eines Tages begannen die Puppen zu wackeln, die Hülle zerbröckelte und der erste Distelfalter breitete seine Flügel aus. Nacheinander schlüpften alle Schmetterlinge aus ihrem Kokon. Nun mussten wir für unsere Haustiere Futter bereitstellen.

Wir suchten die Futterpflanzen Ackerkratzdistel und Rotklee und legten sie jeden Tag frisch in die Voliere. Joshua spendierte fürsorglich jeden Morgen Apfelschnitze aus seinem Proviant. Staunend beobachteten die Schüler, wie die Distelfalter ihren Rüssel ausfuhren und den Blütennektar aus der angebotenen Nahrung saugten. Strahlende Schüleraugen verfolgten die ersten Flugversuche und freuten sich an dem Leben in der Schmetterlingsvoliere. Dann kam die Zeit des Abschiednehmens. Nach Wochen von Fürsorge, Geduld und Staunen entließen wir unsere Schmetterlinge in die Freiheit.

Natürlich haben wir in dieser Zeit viel gelernt: Wir beobachteten und dokumentierten die einzelnen Schritte der Metamorphose, wir erarbeiteten handlungsorientiert und ganzheitlich neue Begriffe, wir übernahmen Verantwortung für Lebewesen und lernten sie achten und schätzen. Lieder, Tänze, Bilderbücher und Filme begleiteten das Projekt und schufen Zugänge auf allen Ebenen für jeden Schüler.

Text: U. Wa-Neu, Fotos: A. Wo.